Einblicke, Diskussionen und Praxisbeispiele rund um die Zukunft der Softwareentwicklung
Am vergangenen Donnerstag durften wir über 220 Live-Teilnehmende zu unserem Webinar „Warum Vibe Coding zum Gamechanger für moderne Unternehmen wird“ begrüssen. Gemeinsam mit Marco Denzler, und Michael Kammerer sind wir der Frage nachgegangen, weshalb Vibe Coding weit mehr ist als ein kurzfristiger Technologietrend ist und warum sich Unternehmen heute intensiv damit auseinandersetzen sollten.
Vibe Coding – was steckt dahinter?
Zu Beginn ordnete Marco Denzler das Thema ein und schuf ein gemeinsames Verständnis. Weniger als ein Prozent der Menschen weltweit können heute programmieren. Genau hier setzt Vibe Coding an. Statt klassischen Code zu schreiben, beschreiben Fachpersonen ihre Anforderungen in natürlicher Sprache. Generative KI übersetzt diese Beschreibungen in funktionierende Software.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in der Technologie, sondern im Ansatz. Vibe Coding ermöglicht es Menschen, die Prozesse und Herausforderungen im Unternehmen am besten kennen, selbst digitale Lösungen zu entwickeln. Programmierkenntnisse werden dabei nicht überflüssig, verlieren aber ihre Rolle als Eintrittshürde. Die Stimmung, das Gefühl und die kreative Zusammenarbeit mit der KI stehen im Vordergrund und geben dem Begriff „Vibe“ seine Bedeutung.
Warum das Thema für Unternehmen relevant ist
Ein zentraler Teil des Webinars widmete sich der Frage, weshalb sich gerade Schweizer Unternehmen jetzt mit Vibe Coding befassen sollten. Marco Denzler griff dazu aktuelle Zahlen aus der 29. Global CEO Survey von PwC auf, die am World Economic Forum präsentiert wurden. 54 Prozent der Schweizer CEOs sind vor allem besorgt, ob ihr Unternehmen schnell genug transformiert, um mit der technologischen Entwicklung und insbesondere mit AI Schritt zu halten.
Gleichzeitig hat sich der wirtschaftliche Ausblick eingetrübt. Viele Geschäftsleitungen investieren einen Grossteil ihrer Zeit in kurzfristige Themen und vernachlässigen die mittelfristige Weiterentwicklung. Genau hier kann Vibe Coding einen entscheidenden Beitrag leisten. Durch kürzere Time-to-Market-Zeiten werden Anforderungen schneller umgesetzt, Innovationen entstehen näher am Fachbereich und Unternehmen reagieren agiler auf Marktveränderungen, Kundenbedürfnisse und regulatorische Vorgaben.
Innovation verlagert sich in die Fachbereiche
Ein wiederkehrendes Motiv im Webinar war die Verlagerung der Wertschöpfung. Studien von Gartner und McKinsey zeigen, dass sich ein immer grösserer Teil der digitalen Innovation aus der IT in die Fachbereiche verschiebt. Gartner prognostiziert, dass bis 2028 rund 40 Prozent der Unternehmenssoftware mithilfe von Vibe Coding entstehen wird.
Diese Entwicklung bringt Chancen, aber auch Risiken mit sich. Einerseits können Fachbereiche Lösungen entwickeln, die exakt auf ihre Prozesse zugeschnitten sind. Andererseits drohen ohne klare Leitplanken Wildwuchs, Schatten-IT und Sicherheitsrisiken. Marco Denzler machte deutlich, dass Vibe Coding so oder so Einzug in Unternehmen hält. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern wie strukturiert und kontrolliert dieser Ansatz eingesetzt wird.
Praxisnahe Einblicke mit Microsoft Copilot und Power Platform
Im zweiten Teil des Webinars übernahm Michael Kammerer und zeigte anhand konkreter Demos, wie Vibe Coding heute bereits in der Praxis aussieht. Er gab einen Sneak Peek auf Funktionen, die Microsoft rund um Microsoft 365 Copilot und die Power Platform entwickelt und teilweise bereits im Frontier-Programm testet.
Anhand eines einfachen Use Cases demonstrierte er, wie sich mit einem kurzen Prompt ein Workflow erstellen lässt, der eingehende E-Mails analysiert, Fehlermeldungen erkennt, diese automatisch in einer SharePoint-Liste erfasst und das Team in Microsoft Teams informiert. Was früher mehrere Stunden Entwicklungsarbeit bedeutete, lässt sich so in wenigen Minuten umsetzen.
Ein weiteres Beispiel zeigte den Aufbau einer kleinen Applikation zur Vergabe fortlaufender Dokumentnummern. Auch hier reichte eine textliche Beschreibung der Anforderungen aus, damit Microsoft Copilot eine funktionsfähige App inklusive Datenhaltung in SharePoint generierte. Schritt für Schritt wurde sichtbar, wie sich die Lösung durch gezieltes Nachprompten weiter verfeinern lässt.
Von der Spielerei zur Enterprise-ready Lösung
Besonders spannend wurde es beim Blick auf komplexere Szenarien. Michael Kammerer zeigte, wie mit Vibe Coding in Power Apps bereits Datenmodelle, Benutzerrollen und einfache Auswertungen erstellt werden können. Gleichzeitig machte er transparent, dass sich diese Funktionen aktuell noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden und nicht ohne Weiteres produktiv eingesetzt werden sollten.
Die Online Group verfolgt deshalb einen klaren Ansatz für Enterprise-ready Digitalisierung. Vibe Coding wird gezielt für das Frontend und schnelle Prototypen genutzt. Der generierte Code wird anschliessend in eine professionelle Entwicklungsumgebung überführt, versioniert und mit zusätzlichen Sicherheits-, Governance- und Backend-Logiken ergänzt. So bleiben Code und Daten jederzeit unter Kontrolle des Unternehmens.
Drei zentrale Erkenntnisse aus dem Webinar
Zum Abschluss fasste Marco Denzler die wichtigsten Botschaften zusammen. Vibe Coding ist bereits Realität und wird sich weiter durchsetzen, unabhängig davon, ob Unternehmen darauf vorbereitet sind oder nicht. Richtig eingesetzt, bietet der Ansatz enormes Potenzial für Geschwindigkeit, Innovation und Entlastung der IT. Gleichzeitig beschleunigt Vibe Coding auch Risiken, weshalb Plattformen, Governance und klare Spielregeln entscheidend für den langfristigen Erfolg sind.
In unsicheren Zeiten gewinnen jene Organisationen, die sich am schnellsten anpassen können. Vibe Coding kann genau diese Beweglichkeit schaffen, wenn es strategisch, verantwortungsvoll und mit dem richtigen Partner eingesetzt wird.

