Warum AI-Transformation eine Führungsaufgabe ist und kein reines IT-Projekt
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Technologien, sondern ganze Organisationen. Rollen, Verantwortlichkeiten und Führungsverständnis stehen auf dem Prüfstand. In einem aktuellen Gespräch mit Felipe Zuluaga gibt Balz Zuerrer, Group CEO der Online Group und Präsident des HSG Alumni AI Club, Einblick in genau diesen Wandel und zeigt, warum AI kein IT-Thema, sondern eine Managementaufgabe ist.
Vom Softwareunternehmen zum AI-first Unternehmen
Die Online Group blickt auf eine fast 30-jährige Geschichte zurück. Doch statt sich auf bewährten Strukturen auszuruhen, wurde das Unternehmen konsequent neu ausgerichtet. Das Ziel: ein AI-first Unternehmen, in dem Künstliche Intelligenz integraler Bestandteil aller Prozesse ist.
Besonders sichtbar wird diese Transformation in der Softwareentwicklung. Klassisches Programmieren tritt in den Hintergrund. Entwickler übernehmen heute eine neue Rolle als Agent Orchestrators. Sie definieren Ziele, geben klare Anweisungen und steuern AI-Agenten, die den operativen Teil übernehmen. Dieses Prinzip wird intern als «Light Coding» bezeichnet.
Praktische AI statt theoretischer Buzzwords
Im Gespräch wird deutlich, dass es bei der Online Group nicht um Experimente ohne Praxisbezug geht. AI wird dort eingesetzt, wo sie echten Mehrwert schafft.
Beispiele dafür sind der Einsatz von Nano Banana für die schnelle Erstellung von Corporate Design Elementen oder Microsoft Copilot, um produktiver zu arbeiten und gleichzeitig sensible Unternehmensdaten zu schützen. Entscheidend ist dabei immer der konkrete Nutzen für Mitarbeitende, Kunden und Partner.
Transformation mit Wirkung auf Menschen und Kunden
Die Umstellung auf AI-gestützte Arbeitsweisen hatte spürbare Auswirkungen. Nicht nur Prozesse wurden vereinfacht, sondern auch die Zufriedenheit im Team stieg deutlich. Mitarbeitende gewinnen Zeit für konzeptionelle und kreative Aufgaben, während repetitive Tätigkeiten von AI-Agenten übernommen werden.
Auch auf Kundenseite zeigt sich der Effekt. Schnellere Umsetzung, höhere Qualität und ein besseres Verständnis für individuelle Anforderungen führten zu einer messbaren Steigerung der Kundenzufriedenheit.
AI scheitert nicht an Technologie, sondern an Führung
Eine zentrale Aussage aus dem Gespräch bringt es auf den Punkt:
AI wird nicht an der Technologie scheitern, sondern an der Art, wie sie geführt wird.
Wer Verantwortung zu früh an Systeme delegiert, riskiert falsche Entscheidungen und Vertrauensverlust. AI-Projekte dürfen deshalb nicht isoliert in der IT angesiedelt werden. Sie gehören in die Führungsetage. AI ist eine Management-Disziplin, die klare Leitplanken, Verantwortung und ein gemeinsames Verständnis erfordert.
Innovation braucht Balance und Sicherheit
Innovation entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Auch im Umgang mit AI setzt die Online Group bewusst auf verschiedene AI-«Persönlichkeiten», die Denkprozesse hinterfragen und neue Ansätze ermöglichen.
Gleichzeitig gilt: Sicherheit ist nicht verhandelbar. Der Umgang mit Halluzinationen, Datenschutz und Verlässlichkeit steht immer im Fokus. Nur so kann AI nachhaltig und verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Fazit
Die Erfahrungen der Online Group zeigen, dass erfolgreiche AI-Transformation weit über Technologie hinausgeht. Sie erfordert Mut zur Veränderung, ein neues Führungsverständnis und den klaren Willen, Verantwortung zu übernehmen.
