Ein Anlass, der den Nerv der Zeit trifft
Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein Zukunftsthema. Sie verändert bereits heute Geschäftsmodelle, Wertschöpfung und Führungsarbeit. Genau das wurde am Anlass «Next Strategy: Unternehmen neu denken mit KI» der HSG Alumni deutlich.
Mit rund 150 Teilnehmenden war der Event ausgebucht – und vor allem eines: ein Reality Check. Die Diskussionen zeigten klar, dass viele Unternehmen mitten in der Transformation stehen, aber oft noch unsicher sind, wie konsequent sie diesen Weg gehen sollen.
Zwischen Effizienz und echter Transformation
Ein zentrales Spannungsfeld zog sich durch den gesamten Abend: Nutzen wir KI, um bestehende Prozesse effizienter zu machen – oder um Unternehmen grundlegend neu zu denken?
Aktuell liegt der Fokus vieler Organisationen noch stark auf Optimierung. Prozesse werden verbessert, Kosten reduziert, Abläufe beschleunigt. Das ist sinnvoll, greift aber zu kurz. Denn wer nur optimiert, was bereits existiert, läuft Gefahr, genau darin immer besser zu werden – auch wenn es langfristig nicht mehr relevant ist.
Die eigentliche Chance von KI liegt nicht in der Effizienz, sondern in der Neugestaltung von Geschäftsmodellen.
AI-first oder doch nur ein neuer Hype?
Die Frage, ob Unternehmen einen konsequenten «AI-first»-Ansatz verfolgen sollten, wurde bewusst differenziert diskutiert.
KI entfaltet ihren Mehrwert nicht durch einzelne Tools oder Pilotprojekte. Entscheidend ist die Integration in Geschäftsmodelle, Entscheidungsprozesse und die Organisation selbst. Gleichzeitig braucht es gerade jetzt die Fähigkeit, zwischen nachhaltiger Substanz und kurzfristiger Euphorie zu unterscheiden.
Unternehmen stehen damit vor einer anspruchsvollen Balance: mutig vorangehen – ohne blind jedem Trend zu folgen.
Strategie bleibt – wird aber beweglicher
Ein klarer Konsens des Abends: Strategie verliert nicht an Bedeutung, sondern gewinnt an Relevanz. Gleichzeitig verändert sich ihre Natur.
Klassische Strategiezyklen kommen zunehmend an ihre Grenzen, weil sich Märkte schneller entwickeln, als viele Organisationen reagieren können. Unternehmen müssen lernen, sich kontinuierlich anzupassen, ohne ihre langfristige Ausrichtung zu verlieren.
Vision und Mission bleiben dabei zentrale Leitplanken. Die konkrete Umsetzung hingegen wird dynamischer, iterativer und stärker durch laufendes Lernen geprägt.
KI verstehen heisst: neu lernen
Ein besonders prägender Gedanke des Abends war die Analogie zum Lesenlernen.
KI wird zur grundlegenden Fähigkeit im Arbeitsalltag. Es reicht nicht, einzelne Spezialisten zu haben oder neue Rollen zu schaffen. Vielmehr müssen Organisationen als Ganzes lernen, mit KI zu arbeiten.
Das bedeutet auch: Mitarbeitende brauchen Orientierung. Ohne ein klares Bild davon, wohin sich das Unternehmen entwickelt, entsteht Unsicherheit – und im schlimmsten Fall Stillstand.
Technologie ist selten das eigentliche Problem
Viele Unternehmen investieren aktuell stark in Tools, Plattformen und Use Cases. Doch der grösste Hebel liegt oft nicht in der Technologie, sondern in der Organisation selbst.
KI wird häufig in isolierten Projekten oder Labs entwickelt, ohne wirklich im Alltag anzukommen. Gleichzeitig fehlen klare Strukturen, um Erkenntnisse breit im Unternehmen zu verankern.
Erfolgreiche Organisationen gehen einen anderen Weg. Sie integrieren KI tief in ihre Prozesse und schaffen eine Kultur, die Lernen, Experimentieren und auch Scheitern ermöglicht.
Neue Formen der Zusammenarbeit
Mit KI verändert sich nicht nur, was wir tun – sondern auch, wie wir arbeiten.
Unternehmen müssen lernen, Aufgaben zunehmend an Systeme und Agenten zu delegieren. Das erfordert ein neues Verständnis von Produktivität, Verantwortung und Zusammenarbeit.
Führung bedeutet in diesem Kontext weniger Kontrolle und mehr Orientierung. Es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen und Systeme effektiv zusammenwirken können.
Verantwortung auf oberster Ebene
Ein besonders klarer Punkt des Abends war die Rolle von Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen.
KI ist nicht nur eine Chance, sondern Teil einer verantwortungsvollen Unternehmensführung. Wer das Thema ignoriert, vernachlässigt zentrale Aspekte von Risikomanagement und Zukunftsfähigkeit.
Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Lücke: In vielen Gremien fehlen aktuell noch die notwendigen Kompetenzen, um fundierte Entscheidungen im Kontext von KI zu treffen.
Einordnung aus Sicht der Online Group
Die Perspektive von Balz Zürrer macht deutlich, worauf es jetzt ankommt. Viele Unternehmen haben das Potenzial von KI erkannt, doch es fehlt häufig an klaren strategischen Leitplanken.
Entscheidend ist, KI nicht als isoliertes Innovationsthema zu behandeln. Wirkung entsteht erst dann, wenn sie konsequent in Prozesse, Entscheidungen und Geschäftsmodelle integriert wird.
Gerade hier zeigt sich, dass Technologie allein nicht ausreicht. Der eigentliche Erfolgsfaktor liegt im Zusammenspiel von Strategie, Organisation und kontinuierlichem Lernen.
Der Unterschied liegt im Mut
Der Anlass war mehr als ein Austausch – er war ein ehrlicher Blick auf den aktuellen Stand vieler Unternehmen.
Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob KI eingesetzt werden sollte. Sie lautet: Wie konsequent sind wir bereit, unser Unternehmen neu zu denken?
Denn am Ende wird der Unterschied nicht dort gemacht, wo Prozesse ein paar Prozent effizienter werden. Er entsteht dort, wo Unternehmen den Mut haben, ihre Wertschöpfung grundlegend zu hinterfragen.
Effizienz hält im Spiel. Transformation entscheidet darüber, wer es gewinnt.

