Von ersten AI-Tools zur echten Transformation
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur einzelne Aufgaben, sondern zunehmend ganze Unternehmen. Doch wie gelingt der Schritt von ersten AI-Tools zu einer nachhaltigen Transformation? In der zweiten Folge von «shift – Das Signal im Rauschen» spricht Balz Zürrer mit Marco Denzler, CEO Schweiz der Online Group, über AI First, neue Berufsbilder und die entscheidende Rolle der Menschen.
AI ist längst im Alltag angekommen. Sie unterstützt bei der Informationssuche, bei der Planung von Ferien, beim Programmieren oder bei ganz persönlichen Fragen. Für Marco Denzler ist klar: Die Entwicklung geht weit über einen kurzfristigen Technologietrend hinaus. Künstliche Intelligenz wird verändern, wie Menschen arbeiten, lernen und Entscheidungen treffen.
In der zweiten Folge des Podcasts «shift – Das Signal im Rauschen» spricht er mit Balz Zürrer darüber, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf Unternehmen hat und weshalb wir trotz der rasanten Fortschritte noch ganz am Anfang stehen.
Vom Wirtschaftsinformatiker zum CEO Schweiz
Marco Denzler bewegt sich seit rund 25 Jahren in der Microsoft-Partnerwelt. Als Wirtschaftsinformatiker und erfahrene Führungspersönlichkeit war er in verschiedenen Management- und C-Level-Funktionen tätig. Heute führt er als CEO Schweiz das Schweizer Geschäft der Online Group.
Seine Motivation ist über all die Jahre dieselbe geblieben: Technologie soll keinen Selbstzweck erfüllen, sondern einen konkreten Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Dabei verbindet er technologische Möglichkeiten mit den Anforderungen des Business und den Bedürfnissen der Menschen, die mit den neuen Lösungen arbeiten.
Im Gespräch blickt Marco Denzler auch auf seine eigene Geschichte mit der Online Group zurück. Aus einer langjährigen Verbindung als Kunde und Partner entstand schliesslich die Zusammenarbeit. Besonders angesprochen habe ihn die Möglichkeit, das Unternehmen aktiv mitzugestalten und gemeinsam mit dem bestehenden Team die nächste Entwicklungsstufe einzuleiten.
AI First ist vor allem eine Frage des Mindsets
Die Online Group bezeichnet sich als AI-First-Unternehmen. Was zunächst wie ein technologischer Anspruch klingt, ist für Marco Denzler in erster Linie eine Frage der Haltung.
AI First bedeutet nicht nur, AI-Lösungen für Kunden zu entwickeln. Künstliche Intelligenz soll auch in der eigenen täglichen Arbeit selbstverständlich eingesetzt werden: in der Entwicklung, in der Beratung, im Backoffice oder im Marketing. Mitarbeitende sollen neue Möglichkeiten eigenständig ausprobieren, Erfahrungen sammeln und ihre Arbeit kontinuierlich weiterentwickeln.

Dafür braucht es mehr als die Bereitstellung neuer Tools. Unternehmen müssen ein Umfeld schaffen, in dem Neugier, Lernen und Experimentieren ausdrücklich erwünscht sind. Gleichzeitig bleiben fachliche Grundlagen wichtig. Denn auch wenn AI immer mehr Aufgaben übernimmt, braucht es Menschen, die Resultate einordnen, überprüfen und verantwortungsvoll einsetzen können.
Viele Unternehmen stehen noch bei den ersten Experimenten
In Schweizer Unternehmen ist die Bedeutung von AI inzwischen weitgehend erkannt. Trotzdem beobachtet Marco Denzler eine deutliche Lücke zwischen der grundsätzlichen Bereitschaft und der konkreten Umsetzung.
Viele Organisationen stellen erste Tools zur Verfügung oder führen einzelne Pilotprojekte durch. Was häufig noch fehlt, ist die Verbindung zu den tatsächlichen Geschäftsprozessen. Wo soll AI einen messbaren Beitrag leisten? Welche Abläufe sollen verändert werden? Und welche Fähigkeiten benötigen die Mitarbeitenden dafür?
«Es fängt bei Know-how und Change an, bei den Menschen. Als Wissensnation muss die Schweiz AI offensiv angehen.»
Marco Denzler
CEO Schweiz I Online Group
Gerade beim Know-how sieht Marco Denzler weiterhin grossen Handlungsbedarf. AI entwickelt sich so schnell, dass einmalige Schulungen nicht ausreichen. Unternehmen müssen kontinuierlich in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden und in die Begleitung des Wandels investieren. Ohne dieses Fundament bleiben vorhandene Technologien oft weit hinter ihrem Potenzial zurück.
Eine Veränderung in der Grössenordnung des Internets
Für Marco Denzler steht ausser Frage, dass AI bleiben wird. Er vergleicht die Tragweite der Entwicklung mit dem Internet und hält sogar noch grössere Auswirkungen für möglich.
Gleichzeitig warnt er vor überzogenen Erwartungen an kurzfristige Resultate. Zwar gibt es bereits zahlreiche Tests, Use Cases und produktive Anwendungen. Wirklich durch AI transformiert sind bisher jedoch nur wenige Unternehmen. Die entscheidenden Veränderungen werden erst sichtbar, wenn AI nicht mehr als zusätzliches Werkzeug betrachtet, sondern konsequent in Prozesse, Geschäftsmodelle und die Zusammenarbeit integriert wird.
Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, bestehende Stellen abzubauen. Gerade im Schweizer Mittelstand kann AI helfen, mit knappen Fachkräften mehr zu bewältigen, Wissen besser verfügbar zu machen und frei werdende Kapazitäten für wertschöpfende Aufgaben einzusetzen.
Jetzt die zweite Folge von «shift» anhören
Das Gespräch mit Marco Denzler bietet eine praxisnahe Einordnung zwischen technologischer Aufbruchsstimmung und unternehmerischer Realität. Es geht um die Chancen von AI, aber auch um Ausbildung, Veränderungsbereitschaft, Unternehmenskultur und die Verantwortung von Führungskräften.
Die zweite Folge von «shift – Das Signal im Rauschen» ist ab sofort auf Spotify und YouTube verfügbar.

