Microsoft Build 2026 im Zeichen von AI Agents
Unser Webinar vom 25. Juni 2026 hat gezeigt: Die Entwicklungen rund um Microsoft Copilot, AI Agents und agentische Systeme nehmen weiter Fahrt auf. Im Zentrum standen die wichtigsten AI- und Copilot-News der Microsoft Build 2026 in San Francisco und die Frage, was diese Neuerungen konkret für Unternehmen bedeuten.
Die Microsoft Build ist Microsofts wichtigste Developer-Konferenz und gibt jedes Jahr einen Ausblick auf neue Plattformen, Tools und Technologien. 2026 stand sie klar im Zeichen von AI Agents und produktiver KI. Dabei wurde deutlich: Es geht nicht mehr nur um einzelne Chatbots oder isolierte Demos, sondern um ein integriertes System, in dem Agents echte Arbeit über Funktionen, Prozesse und Datenquellen hinweg übernehmen können.
Nicht die Demo gewinnt, sondern das System dahinter
Eine zentrale Botschaft des Webinars lautete: Im Zeitalter von AI Agents gewinnen nicht die Unternehmen mit den meisten Demos, sondern jene mit dem besten System dahinter. Modelle allein genügen nicht. Entscheidend ist, wie Agents gebaut, kontextualisiert, betrieben, überwacht, abgesichert und kontinuierlich verbessert werden.
Genau hier liegt die Stärke des Microsoft-Ökosystems. Viele Unternehmen arbeiten bereits mit Microsoft 365, Teams, SharePoint, Outlook, Entra, Purview, Defender, Power Platform oder Dynamics 365. Damit sind Identitäten, Daten, Berechtigungen, Compliance-Strukturen und Arbeitskontexte in vielen Fällen bereits vorhanden. Diese Basis ist entscheidend, damit AI Agents nicht losgelöst arbeiten, sondern sicher und sinnvoll in bestehende Prozesse eingebettet werden können.
AI wird Teil des Operating Models
AI entwickelt sich vom Werkzeug, das aktiv genutzt wird, hin zu einer digitalen Arbeitskraft im Prozess. Damit verändert sich auch die Art, wie Unternehmen Arbeit organisieren. Die zentrale Frage lautet künftig nicht mehr nur: Welches Tool nutzen wir? Sondern: Wer übernimmt welche Aufgabe – Mensch, Copilot oder Agent – und mit welchen Regeln, Berechtigungen und Kontrollen?
Microsoft beschreibt diese Entwicklung mit dem Konzept der Frontier Firms. In der ersten Phase arbeitet der Mensch mit einem AI-Assistenten. In der zweiten Phase entstehen Mensch-Agent-Teams, in denen Agents definierte Aufgaben übernehmen. In der dritten Phase führt der Mensch, während Agents operative Arbeit innerhalb klarer Leitplanken ausführen.
Der grösste Nutzen entsteht dabei nicht, wenn bestehende Prozesse einfach etwas schneller gemacht werden. Der wirkliche Hebel entsteht, wenn Prozesse mit Agents neu gedacht werden.
Copilot Cowork ist jetzt kommerziell verfügbar
Ein wichtiger Teil des Webinars widmete sich Copilot Cowork. Seit dem 16. Juni ist Copilot Cowork kommerziell verfügbar. Cowork ist kein separater Agent mehr, sondern Teil von Microsoft 365 Copilot. Damit erscheint agentische Arbeit direkt im gewohnten Microsoft-365-Arbeitsfluss.
Copilot Cowork unterstützt dabei, Aufgaben zu delegieren, Arbeitsstände nachzuverfolgen und Ergebnisse im Kontext der bestehenden Microsoft-365-Umgebung zu erzeugen. Im Unterschied zur klassischen Chat-Interaktion geht es nicht nur darum, einzelne Fragen zu beantworten, sondern konkrete Arbeitspakete zu planen, auszuführen und voranzutreiben.
Copilot Studio wird zur Plattform für eigene Agents
Für die Nutzung braucht es eine Microsoft 365 Copilot Lizenz. Zusätzlich fallen nutzungs- und volumenbasierte Kosten an, die über entsprechende Policies im Tenant gesteuert werden können. Gerade für Unternehmen ist das wichtig, weil sich damit Budgets, Nutzung und Kosten besser kontrollieren lassen.
Auch Copilot Studio wurde auf der Microsoft Build weiterentwickelt. Die neue Experience ist stärker auf Agents ausgerichtet und verbindet generative Fähigkeiten mit klassischen Workflows. Genau diese Kombination ist entscheidend: Viele Unternehmensprozesse bestehen nicht nur aus freiem Dialog, sondern auch aus strukturierten Abläufen, Regeln, Freigaben und Systemaktionen.
Im Webinar wurde dies am Beispiel eines Besuchsprotokoll-Agenten gezeigt. Der Agent führt Mitarbeitende Schritt für Schritt durch die relevanten Fragen, erstellt daraus ein Besuchsprotokoll und schreibt die Informationen anschliessend direkt ins CRM. Zusätzlich kann er Folgeaufgaben planen und Informationen aus angebundenen Systemen nutzen.
Das Beispiel zeigt sehr gut, wohin die Entwicklung geht: Fachwissen, Prozesswissen und Systemzugriff werden in einem Agenten gebündelt. Der Agent übernimmt nicht nur die Texterstellung, sondern unterstützt den gesamten Ablauf – von der Datenerfassung über die Strukturierung bis zur Übergabe ins Zielsystem.
MCP als Verbindung zu Business-Systemen
Ein wichtiger Baustein dabei ist MCP, das Model Context Protocol. Im Webinar wurde MCP sinngemäss als eine Art USB-C für Agents beschrieben. Es ermöglicht Agents, auf angebundene Systeme und Funktionen zuzugreifen – zum Beispiel auf ein CRM wie Dynamics 365 oder andere Fachapplikationen.
Entscheidend ist dabei: Der Agent handelt nicht mit unbegrenzten Rechten. Er erbt die Berechtigungen des jeweiligen Benutzers. Dadurch kann er nur auf jene Informationen und Aktionen zugreifen, die auch der Mensch nutzen darf. Für Unternehmen ist das eine wichtige Voraussetzung, um Agents produktiv, kontrolliert und nachvollziehbar einzusetzen.
Scout: Der erste Always-on-Agent von Microsoft
Ein besonders spannender Ausblick war Microsoft Scout. Scout wurde im Webinar als erster sogenannter Autopilot vorgestellt. Während Copilot Cowork Aufgaben übernimmt, die bewusst delegiert werden, arbeitet Scout dauerhaft im Hintergrund. Er ist ein Always-on-Agent, der im Auftrag des Nutzers agiert.

Scout kann Informationen aus Teams, Outlook, OneDrive, SharePoint, Chats, E-Mails, Kalendern und Kontakten nutzen. Damit wird er zu einer Art persönlichem Chief Assistant innerhalb von Microsoft 365. Er kann beispielsweise E-Mails triagieren, Kalender organisieren, Reports vorbereiten oder Risiken frühzeitig erkennen.
Der Unterschied zu Copilot Cowork liegt vor allem in der Dauerhaftigkeit. Cowork eignet sich für delegierte Aufgaben oder wiederkehrende Arbeitspakete. Scout ist auf kontinuierliche, proaktive Unterstützung ausgelegt. Aktuell befindet sich Scout noch im Frontier-Programm und ist daher nicht für eine breite Einführung in produktiven Umgebungen gedacht. Unternehmen sollten solche neuen Funktionen zunächst gezielt in kontrollierten Testumgebungen prüfen.
Microsoft IQ bringt Kontext in agentische Systeme
Damit Copilot, Cowork, Scout und eigene Agents wirkungsvoll arbeiten können, brauchen sie Kontext. Microsoft fasst diesen Kontext unter dem Begriff Microsoft IQ zusammen. Dabei geht es um unterschiedliche Ebenen von Unternehmenswissen.

Work IQ beschreibt, wie Mitarbeitende zusammenarbeiten, welche Beziehungen, Rollen, Dokumente und Arbeitskontexte relevant sind. Foundry IQ bringt Richtlinien, Dokumente und Wissensquellen in komplexere Agenten-Szenarien ein. Fabric IQ liefert Geschäftsdaten und Systemkontext aus operativen Datenquellen. Web IQ ergänzt externe Informationen und Entwicklungen ausserhalb des Unternehmens.
Zusammen entsteht daraus ein Kontext-Layer für Enterprise AI. Dieser ist entscheidend, damit Agents nicht nur generische Antworten geben, sondern im konkreten Unternehmenskontext handeln können.
Microsoft Agent 365 schafft Kontrolle über die Agentenflut
Je mehr Agents in Unternehmen entstehen, desto wichtiger werden Transparenz, Governance und Sicherheit. Im Webinar wurde die Zahl von 1,3 Milliarden Agents bis 2028 genannt. Unabhängig von der exakten Entwicklung ist klar: Unternehmen brauchen eine Möglichkeit, den Überblick zu behalten.

Microsoft Agent 365 wurde genau dafür vorgestellt. Es dient als Netzwerksteuerung für Agents und unterstützt Unternehmen bei Überwachung, Governance und Sicherheit. Dazu gehören unter anderem die Registrierung von Agents, Agenten-Maps, Agentenanalyse, rollenspezifische Überwachung, Identitäts- und Zugriffs-Governance, Lebenszyklusmanagement, Audit, Protokollierung, Daten-Compliance, Zugriffskontrolle, Datensicherheit und Bedrohungsschutz.
Für Unternehmen ist das ein zentraler Punkt. Agenten dürfen nicht unkontrolliert wachsen. Sie brauchen klare Leitplanken, Verantwortlichkeiten und Überwachungsmöglichkeiten. Nur so kann agentische KI sicher skaliert werden.
Governance bleibt die Grundlage für Vertrauen
Im Webinar wurde mehrfach deutlich: AI Agents entfalten ihren Nutzen nur dann nachhaltig, wenn Governance, Security und Compliance von Anfang an mitgedacht werden. Das gilt besonders in regulierten Branchen oder bei sensiblen Daten.
Die gute Nachricht: Unternehmen müssen dafür nicht bei null beginnen. Microsoft erweitert bestehende Infrastruktur wie Microsoft 365 Admin Center, Entra, Purview und Defender auf die Verwaltung von Agents. Damit können Agentenidentitäten geschützt, Zugriffe gesteuert, Daten klassifiziert und Risiken überwacht werden.
Gleichzeitig bleibt es wichtig, die eigene Datenbasis sauber vorzubereiten. Berechtigungen, Datenklassifizierungen, Speicherorte, Prozesse und Verantwortlichkeiten müssen geklärt sein. AI macht bestehende Informationsarchitekturen sichtbarer. Wer seine Governance im Griff hat, schafft die Basis für sichere und wirkungsvolle Agenten-Szenarien.
AI-Readiness: Viele Unternehmen stehen noch am Anfang
Unser AI-Readiness Benchmark mit über 500 Unternehmen zeigt weiterhin ein klares Bild: 97 Prozent der Unternehmen schätzen AI als wichtig für ihr Business ein. Gleichzeitig fehlt 79 Prozent eine priorisierte Liste von Prozessen mit AI-Potenzial. 82 Prozent beurteilen den Ausbildungsstand der Mitarbeitenden in Bezug auf AI als ungenügend.
Diese Zahlen zeigen: Das Interesse ist gross, aber vielen Organisationen fehlt noch die konkrete Übersetzung in Prozesse, Kompetenzen und priorisierte Use Cases. Genau hier entscheidet sich, ob AI ein punktuelles Experiment bleibt oder Teil einer echten Transformation wird.
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Von der Idee zum konkreten Use Case
Damit Unternehmen den Einstieg strukturiert angehen können, haben wir zwei Workshop-Formate entwickelt: den Ideensprint und den Use-Case-Workshop.
Im Ideensprint geht es darum, Potenziale sichtbar zu machen, Ideen zu sammeln, Themen zu clustern und nach Nutzen sowie Machbarkeit zu priorisieren. Besonders wertvoll sind dabei Mitarbeitende, die bereits mit AI experimentieren und konkrete Ideen aus ihrem Arbeitsalltag mitbringen.
Im Use-Case-Workshop wird es konkreter. Dort werden Prozesse analysiert, Soll-Szenarien definiert, Datenquellen geprüft, Systeme und Zugriffe betrachtet und daraus realistische Lösungsansätze abgeleitet. Ziel ist ein konkretes Konzept inklusive erster Aufwandschätzung.
Der Weg zur AI-Transformation ist damit kein einzelnes IT-Projekt, sondern ein Lern- und Veränderungsprozess. Erfolgreiche Unternehmen starten pragmatisch, lernen schnell und wachsen Schritt für Schritt.
Fragen aus dem Webinar: Kosten, Einsatzbereiche und regulierte Umgebungen
In der Q&A-Session wurden viele praxisnahe Fragen gestellt. Ein Thema war die Nutzung eigener Agents ohne Microsoft 365 Copilot Lizenz. Die Antwort: Auch Mitarbeitende ohne Microsoft 365 Copilot Lizenz können bestimmte Agents nutzen, sofern die entsprechenden Billing Policies eingerichtet sind. Die Abrechnung erfolgt volumenbasiert.
Auch die Kostenkontrolle wurde angesprochen. Für Copilot Cowork und ähnliche nutzungsbasierte Szenarien können Budgets und Limits definiert werden. Zudem bietet Microsoft Dashboards, um die Nutzung zu überwachen und bei Bedarf gezielt nachzusteuern.

Ein weiteres Thema war der Einsatz in kleinen Unternehmen. Hier gilt: Agents sind nicht nur für Grossunternehmen relevant. Entscheidend ist der konkrete Anwendungsfall. Gerade repetitive, administrative oder zeitintensive Aufgaben können auch in kleineren Organisationen einen spürbaren Nutzen bringen. Wichtig ist, klein zu starten, Erfahrungen zu sammeln und den Nutzen realistisch zu bewerten.
Auch regulierte Umgebungen wurden diskutiert. Hier braucht es vor allem Klarheit über Datenklassifizierung, Speicherorte, Zugriffsrechte und regulatorische Anforderungen. Je sensibler die Daten, desto wichtiger ist eine saubere Vorbereitung, bevor Agents produktiv eingesetzt werden.
Was Unternehmen jetzt mitnehmen sollten
Die wichtigste Erkenntnis aus dem Webinar lautet: AI Agents sind kein Zukunftsthema mehr, sondern werden schrittweise Teil der täglichen Arbeit. Microsoft baut dafür ein umfassendes Ökosystem aus Copilot, Cowork, Copilot Studio, Scout, Microsoft IQ, Foundry, Fabric und Agent 365 auf.
Für Unternehmen bedeutet das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich mit dem eigenen Operating Model auseinanderzusetzen. Welche Prozesse eignen sich für agentische Unterstützung? Wo entsteht echter Nutzen? Welche Daten, Berechtigungen und Governance-Strukturen müssen vorbereitet werden? Und wie werden Mitarbeitende befähigt, mit Agents produktiv zusammenzuarbeiten?
Wer diese Fragen frühzeitig klärt, kann AI nicht nur punktuell einsetzen, sondern gezielt in Prozesse, Teams und Geschäftsmodelle integrieren.
Microsoft Build 2026 zeigt den Weg zur agentischen Arbeitswelt
Die Microsoft Build 2026 hat deutlich gemacht, wohin die Reise geht: weg von reiner Assistenz, hin zu agentischen Systemen, die Arbeit aktiv übernehmen, koordinieren und in bestehende Unternehmensprozesse eingebettet werden.
Copilot Cowork bringt delegierte Aufgaben in den Microsoft-365-Arbeitsfluss. Copilot Studio ermöglicht eigene Agents für konkrete Prozesse. Scout zeigt, wie Always-on-Agents künftig proaktiv im Hintergrund arbeiten können. Microsoft IQ liefert den nötigen Kontext, und Agent 365 schafft die Grundlage für Überwachung, Governance und Sicherheit.
Damit entsteht ein neues Bild von Arbeit: Der Mensch bleibt verantwortlich, priorisiert und kontrolliert. Agents übernehmen operative Aufgaben innerhalb klarer Leitplanken. Genau darin liegt das Potenzial für die nächste Stufe der digitalen Transformation.
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